Kongo


Kongo

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1Kọn|go, der; -[s]:
Fluss in Zentralafrika.
2Kọn|go; -s, auch: der; -[s]:
1. Staat in Zentralafrika:
die Republik K.;
die Bevölkerung -s/von K./des K./des -s.
2. kurz für: Demokratische Republik Kongo:
die Bevölkerung -s/von K./des K./des -s.

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I
Kọngo,
 
Bakọngo, Sammelbezeichnung für Völker im Mündungsgebiet des Kongo, in der Demokratischen Republik Kongo, der Republik Kongo und angrenzenden Teilen von Angola (einschließlich Cabinda), neben den eigentlichen Kongo die Yombe, Sundi, Vili, Solongo u. a. Die etwa 7,6 Mio. Kongo sind Christen. Die traditionell lebenden Kongo (Rechteckhaus) betreiben Feldbau auf Rodungsinseln (v. a. Anbau von Maniok, daneben Mais, Bataten, Bananen; für den Markt Kaffee und Kakao; Palmölgewinnung). Rd. 1 Mio. Kongo arbeiten in den Städten. Die Figuren der Kongokunst, besonders die Zauberfiguren (Nagel- und Spiegelfetische), aber auch die sorgfältiger ausgearbeiteten Ahnenfiguren (oft Mutter-Kind-Motiv) sowie alte Steinfiguren (Mintadi) weichen häufig von der sonst fast überall in Afrika eingehaltenen statische und symmetrische Darstellungsweise ab und zeigen Bewegung in Ausdruck und Haltung. Die Masken der Kongo sind oft schwarz, weiß und rot bemalt und lassen die Zunge aus dem leicht geöffneten Mund hervortreten.
 
Die Kongo waren Träger des Reiches Kongo, dessen Kerngebiet sich südlich des unteren Kongo zwischen Atlantikküste und Kwango, im Süden etwa bis Luanda, erstreckte (Karte Afrika, Großregionen und politische Zentren zwischen 600 und 1600). Der sakrale König trug den Titel »Manikongo«. 1482 nahmen portugiesische Seefahrer ersten Kontakt zu Kongo auf, dessen König Afonso I. in seiner Regierungszeit (1507-43) enge Beziehungen zu Portugal anstrebte. Er nahm das katholische Christentum an, ließ seinen Sohn Henrique 1521 in Rom zum Bischof weihen und bemühte sich um eine allseitige Modernisierung von Gesellschaft und Staat. Dieser Versuch scheiterte nach 1560 am Sklavenhandel und anderen Übergriffen der Portugiesen, die Angriffe anderer afrikanischer Völker auf das Reich der Kongo hervorriefen. Das aus Lehnsherrschaften lose zusammengefügte Staatswesen zerfiel; der letzte König regierte (nur noch nominell) 1770-86. Das Gemeinschaftsbewusstsein der Kongo blieb jedoch lebendig und lebte u. a. in ethnisch motivierten politischen Organisationen in Belgisch-Kongo, heute Demokratische Republik Kongo, im französischen Kongo-Gebiet, heute Republik Kongo und besonders in der von Holden Roberto (* um 1923) geführten angolanischen Guerillabewegung »União das Populacões de Angola« (UPA), faktisch eine Organisation der Kongo, weiter. Die von der UPA getragene Befreiungsfront »Frente Nacional de Libertação de Angola« (FNLA) zerfiel erst nach ihrer Niederlage im angolanischen Bürgerkrieg 1975-76.
 
 
G. Balandier: Daily life in the kingdom of the K. (London 1968);
 A. Hilton: The kingdom of K. (Oxford 1985).
 
II
Kongo,
 
 
 
Fläche: 2 344 885 km2
 
Einwohner: (2000) 52,0 Mio.
 
Hauptstadt: Kinshasa
 
Amtssprache: Französisch
 
 
Währung: Kongolesischer Franc = 100 Centime
 
Zeitzone: MEZ und OEZ
 
amtlich französisch République Démocratique du Congo [repy'blik demɔkra'tik dykɔ̃'go ], deutsch Demokratische Republik Kongo, häufig gebrauchte Kurzbezeichnung Kongo (Kinshasa), bis 1997 Zaire [za'iːr(ə)], Staat in Äquatorialafrika, grenzt im Norden an die Zentralafrikanische Republik und Sudan, im Osten an Uganda, Ruanda, Burundi und Tansania, im Süden an Sambia und Angola, im Westen an den Atlantik und die Exklave Cabinda (Angola) sowie an die Republik Kongo, mit 2 344 885 km2 drittgrößtes Land Afrikas, (2000) 52,0 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Kinshasa; Amtssprache: Französisch; Währungseinheit ist der Kongo-Franc (FC) = 100 Centime. Zeitzonen: MEZ (Kinshasa) und OEZ (1300 Lubumbashi = 1200 MEZ).
 
 Staat und Recht:
 
 
Mit der Machtübernahme durch die Truppen der »Allianz demokratischer Kräfte zur Befreiung des Kongo-Zaire« (AFDL) unter L. Kabila am 16. 5. 1997 wurde die provisorische Verfassung vom 6. 10. 1996 außer Kraft gesetzt und durch ein 15 Punkte umfassendes Dekret Kabilas ersetzt. Auf dessen Grundlage ließ sich Kabila am 29. 5. 1997 als Präsident (Staatsoberhaupt), ausgestattet mit umfassenden Machtbefugnissen, vereidigen. Zugleich Regierungschef, Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Streitkräfte vereint er in seiner Person auch die wichtigsten exekutiven Befugnisse. Der Entwurf einer neuen Verfassung, ausgearbeitet durch zwei von ihm eingesetzte Kommissionen, liegt seit Ende 1998 vor. Seine Verabschiedung als neue Verfassung des Landes kam allerdings infolge des nach wie vor anhaltenden Bürgerkrieges bislang nicht zu Stande. Seit seiner Machtübernahme ohne Parlament regierend, hat Kabila am 21. 8. 2000 ein 300 Mitglieder umfassendes Übergangsparlament eingesetzt (60 Mitglieder von ihm persönlich, 240 von einer Regierungskommission ernannt).
 
Parteien:
 
Politische Parteien sind verboten.
 
 
Es stammt aus dem Jahr 1966, wurde 1971 leicht verändert und zeigt über gekreuztem Speer und Pfeil einen Leopardenkopf, eingerahmt von Lorbeerzweig und Elefantenstoßzahn, darunter ein Schriftband mit dem Wahlspruch »Justice, Paix, Travail« (»Gerechtigkeit, Friede, Arbeit«).
 
Nationalfeiertage:
 
30. 6., zur Erinnerung an die Erlangung der Unabhängigkeit 1960.
 
 
Kongo ist in zehn Regionen und den Hauptstadtdistrikt Kinshasa eingeteilt.
 
 
Kennzeichnend ist das Miteinander von modernem und traditionellem Recht. Das moderne Recht beginnt im »Unabhängigen Kongostaat« mit dem Zivilgesetzbuch aus formal mehreren Einzelgesetzen ab 1885 und dem Handelsgesetzbuch ab 1887, beruhend zwar auf dem (napoleonisch-)belgischen Recht, aber den Bedingungen des Landes angepasst. Traditionelles Recht bleibt anwendbar, soweit mit dem geschriebenen Recht vereinbar. Auf dieser Grundlage beruht eine landeseigene Rechtskultur. Bestrebungen gehen dahin, den Dualismus durch einheitliche Gesetzgebung zu überwinden, geschehen z. B. mit dem Familiengesetzbuch 1987, das zum ersten Mal im geschriebenen Recht auch das Erbrecht regelt.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Der größte Teil des Landes liegt im Kongobecken und im Bereich seiner Randschwellen und wird vom Kongo und seinen Nebenflüssen entwässert. Im Bereich der Kongomündung hat Kongo einen 40 km langen Anteil an der Atlantikküste. Das Gebiet längs der Ostgrenze gehört zum Zentralafrikanischen Graben mit Albert-, Rutanzige-, Kiwu- und Tanganjikasee. Dort, wo an der Westflanke des Grabens auch vulkanische Massen aufdrangen (Virungavulkane), finden sich die höchsten Erhebungen des Landes (der Ruwenzori erreicht im Margherita 5 119 m über dem Meeresspiegel). Das zentrale Kongobecken weist Höhen um 300 m über dem Meeresspiegel auf, der größte Teil des übrigen Gebiets liegt zwischen 300 und 1 000 m über dem Meeresspiegel. Im Südosten (Bergland von Shaba) werden 1 890 m über dem Meeresspiegel erreicht. Zum UNESCO-Weltnaturerbe wurden der Garamba-Nationalpark, der Kahuzi-Biega-Nationalpark, der Nationalpark der Virungavulkane (an dem neben Kongo auch Ruanda und Uganda Anteil haben) und der Salonga-Nationalpark erklärt.
 
 
Kongo hat tropisches Klima, und zwar immerfeuchtes im Norden und im Zentrum (Hauptniederschläge im Frühjahr und Herbst), wechselfeuchtes im Süden (Regenzeit im Sommer: November bis April). Die Jahressumme der Niederschläge erreicht im zentralen Teil des Kongobeckens 1 800-2 200 mm, im Süden, wo zwei bis vier aride Monate auftreten, 1 200-1 400 mm, im Osten, auf der Luvseite der Gebirge, ebenfalls um 1 200 mm, auf der Leeseite (im Zentralafrikanischen Graben) jedoch nur 900 mm; an der Küste fallen lediglich 800 mm Niederschlag im Jahr. Die mittleren Tagestemperaturen sind ganzjährig ausgeglichen (21-28 ºC); im äußersten Südosten ist der Winter kälter (16 ºC im Juli), in den Gebirgen im Osten tritt gelegentlich sogar Frost auf.
 
 
Der zentrale und der nördliche Teil des Kongobeckens ist von immergrünem Regenwald bestanden, der nach Norden und Süden in regengrünen Feuchtwald übergeht. Nach Süden und Norden schließen sich Feuchtsavannen mit Galeriewäldern an. In Shaba herrscht regengrüner Trockenwald (Miombowald) vor, in den Gebirgen des Ostens alpine Vegetation, an der Kongomündung große Mangrovenbestände.
 
 
Mehr als 70 % der Einwohner gehören zu Bantuvölkern, von denen die Luba, Kongo und Mongo die zahlenmäßig stärksten sind. Im Norden leben Völker mit Sudansprachen (Zande, Mangbetu), im Nordosten Niloten, im tropischen Regenwald Pygmäen, im Osten auch Hima. Von den zahlreichen Bantusprachen sind einige Verkehrssprachen für größere Gebiete geworden. Westlich von Kinshasa wird das Kongo, in Kasai und Westshaba das Luba, zwischen Kinshasa und Kisangani die Mischsprache Lingala, im gesamten Osten und im Süden wird Suaheli gesprochen. Die Zahl der Flüchtlinge aus Nachbarländern wurde 1995 auf 1,33 Mio. geschätzt (aus Angola, Burundi, Ruanda, Uganda, dem Sudan), hinzu kommen Tausende von Binnenflüchtlingen. Weite Teile des Landes sind nur dünn besiedelt. Die Zahl der Nichtafrikaner (Belgier, Franzosen) wurde auf 20 000 geschätzt (v. a. in Shaba und Kinshasa); viele haben aber infolge des Bürgerkrieges 1997 das Land verlassen. Der jährliche Bevölkerungszuwachs betrug 1985-94 durchschnittlich 3,3 %. Der Anteil der städtischen Bevölkerung beträgt (1994) 29 %.
 
 
Staat und Religion waren in der Republik Zaire gesetzlich getrennt. Die Religionsfreiheit war als Recht der anerkannten religiösen Körperschaften in der Verfassung garantiert. Öffentlich-rechtliche Anerkennung genossen seit 1972 die katholische Kirche, die »Église du Christ au Zaire« (»Evangelische Kirche Christi in Zaire«; 1970 als struktureller Zusammenschluss aller protestantischen Kirchen und Gemeinschaften gegründet), die »Kimbanguistische Kirche« (Kimbangu), die orthodoxe Kirche, die jüdische und die islamische Gemeinde. Nach dem mit dem Sturz Mobutu Sese-Sekos verbundenen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung verfügen einzig die christlicher Kirchen über landesweit weitestgehend funktionierende (Organisations-)Strukturen. - Etwa 95 % der Bevölkerung sind Christen: rd. 48 % gehören der katholischen Kirche an, rd. 30 % verschiedenen protestantischen Kirchen und Gemeinschaften (Adventisten, Baptisten, Disciples of Christ, Mennoniten, Methodisten, Pfingstler, Presbyterianer u. a.) und der anglikanischen Kirche, rd. 17 % unabhängigen Kirchen (rd. 12 % der »Kimbanguistischen Kirche«). Rd. 1,4 % der Bevölkerung (im Osten und Nordosten des Landes) sind sunnitische Muslime, überwiegend der schafiitischen Rechtsschule; der Islam wird im starken Maße durch die Sufi-Bruderschaft der Qadiriten geprägt. Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde Kinshasa betreut auch die jüdischen Gemeinden in anderen zentralafrikanischen Staaten. Traditionellen afrikanischen Religionen werden über 3 % der Bevölkerung zugerechnet, wobei jedoch Formen und Praktiken afrikanischer Religiosität (z. B. Heilungen, Hochzeits- und Bestattungsriten u. a.) weit über diese Anhängerzahl hinaus ihre Bedeutung behalten haben und besonders von den unabhängigen Kirchen in die eigene Glaubens- und Frömmigkeitspraxis integriert worden sind.
 
 
Allgemeine Schulpflicht besteht vom 7. bis 12. Lebensjahr. Die Analphabetenquote beträgt 22,7 %. Eine Univiversität wurde 1954 in Kinshasa gegründet, eine weitere 1955 in Lubumbashi, eine dritte folgte 1963 in Kisangani.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Gemessen am agrarischen Potenzial sowie am Umfang und an der Vielfalt der mineralischen Rohstoffe ist Kongo einer der reichsten Staaten Afrikas, gehört jedoch mit einem Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1995) 120 US-$ zu den ärmsten Ländern der Erde, da die wirtschaftliche und politische Situation bis zum Sturz von Mobutu Sese-Seko 1997 durch Korruption und Anarchie gekennzeichnet war. Ein weiteres Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung ist die mangelhafte Infrastruktur. Seit 1988 ist das BSP jährlich um 9 % zurückgegangen; die Industrieproduktion ist Mitte der 90er-Jahre unter das Niveau von 1974 gefallen; die gesamte Wirtschaft erreicht nur noch den Index von 1958. Seit Ende der 80er-Jahre wurde die wirtschaftliche Situation durch eine Hyperinflation verschärft; 1994 erklärte die Weltbank das damalige Zaire als zahlungsunfähig. Maßnahmen zur Stabilisierung wurden eingeleitet.
 
 
Infolge des wirtschaftlichen Kollapses anderer Wirtschaftsbereiche, besonders des Bergbaus, stieg der Anteil des Agrarsektors am Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Zeitraum 1990-94 von 30 % auf 55 %. Überwiegend wird Subsistenzwirtschaft betrieben. Wichtigste Grundnahrungsmittel sind Maniok, Mais, Reis und Kochbananen. Für den Export bestimmt sind Kaffee (Erntemenge 1994: 88 000 t), Zuckerrohr, Tee, Kakao, Palmöl, Palmkerne und Kautschuk.
 
 
Nach dem Amazonasgebiet weist Kongo den größten zusammenhängenden Bestand an tropischem Regenwald auf (rd. 6 % der weltweiten Waldfläche). Von den 1993 eingeschlagenen 44,5 Mio. m3 Holz waren nur 7 % Nutzholz. Die für den Export wichtigsten Holzarten sind Doussie und Ebenholz.
 
 
Die Fangmenge der Fischerei lag 1993 bei 147 300 t, davon waren 98 % Süßwasserfische.
 
 
Der Bergbau und die darauf beruhende Schwerindustrie sind die wichtigsten Sektoren der Wirtschaft. Jedoch fiel sein Anteil am BIP zwischen 1990 und 1995 von 10 % auf 4,4 %. V. a. in der Region Shaba werden Kupfer-, Kobalt-, Mangan-, Zink-, Uran- und Zinnerze sowie Steinkohle und Gold abgebaut. Kongo verfügt über 65 % der weltweit bekannten Kobaltreserven. 1991-94 ging bei Kupfer die Fördermenge von 235 000 t auf 34 000 t zurück, bei Kobalt von 10 000 t auf 3 600 t. Bei Diamanten liegt Kongo nach wie vor mit einer Fördermenge von (1993) 15,6 Mio. Karat weltweit an dritter Stelle. Seit 1975 wird im Schelfbereich Erdöl gefördert (1994: 1,5 Mio. t).
 
 
Seit Inbetriebnahme der Inga-Kraftwerke am Unterlauf des Kongo beruht die Stromerzeugung von Kongo im Wesentlichen auf Wasserkraft (98 %). Weitere Energiequellen sind Steinkohle und Erdöl.
 
 
Hauptindustriegebiet ist die Bergbauregion Shaba, außerdem entstanden in den Räumen Kinshasa/Matadi und Kisangani kleinere Industriestandorte. Neben der Verhüttung der Schwermetalle haben das Textilgewerbe und die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte die größte Bedeutung. Die Industrieproduktion ist rapide zurückgegangen und hatte 1993 nur noch einen Anteil von 11 % am BIP.
 
 
Die Außenhandelsbilanz ist seit 1970 fast durchweg positiv (Einfuhrwert 1994: 0,86 Mrd. US-$; Ausfuhrwert: 1,1 Mrd. US-$). Wichtigste Ausfuhrwaren sind Bergbauprodukte (1993: Diamanten 27 %, Kupfer11 %, Erdöl 11 % und Kobalt 10 %) und Agrarprodukte (v. a. Kaffee mit 5 %). Die wichtigsten Handelspartner sind Belgien (22 % der Importe, 46 % der Exporte), die USA, Japan und Deutschland.
 
Verkehr:
 
Größte Bedeutung hat in dem - mit Ausnahme der Straßen - verkehrsmäßig relativ gut erschlossenen Land der kombinierte Wasser-Schienen-Verkehr. Die 14 500 km langen schiffbaren Wasserwege des Kongo und seiner Nebenflüsse sind die wichtigsten Verkehrswege, wobei Eisenbahnstrecken nicht schiffbare Flussabschnitte umgehen. Die wichtigste Eisenbahnlinie verbindet Lubumbashi und Ilebo. Wichtigste Schifffahrtswege sind der Kongo zwischen Kisangani und Kinshasa sowie der Kasai zwischen Ilebo und der Mündung in den Kongo. Der Haupthafen Matadi liegt 160 km von der Mündung des Kongo in den Atlantik entfernt, ist aber für Seeschiffe erreichbar. Da für das Hauptwirtschaftszentrum Shaba die inländischen Verkehrswege nicht ausreichen, müssen erhebliche Mengen der bergbaulichen Massengüter über ausländische Bahnstrecken abtransportiert werden. Nur rd. 2 500 km des (1994) 145 000 km langen Straßennetzes sind befestigt. Internationale Flughäfen gibt es in Kinshasa, Lubumbashi, Bukavu, Kisangani und Goma (am Kiwusee).
 
 
Ab etwa 700 n. Chr. siedelten Völker der Bantu im Gebiet des heutigen Kongo. Bestimmte Staaten sind nachweisbar, seit die Küstenbewohner um 1500 mit portugiesischen Seefahrern in Berührung kamen. Auch im Inneren des Landes bestanden um diese Zeit Monarchien der Lunda, Luba und Mangbetu; im Norden herrschten die Zande. Die Forschungsreisen besonders von D. Livingstone und H. M. Stanley weckten im 19. Jahrhundert in Europa Interesse an der Kolonisierung Zentralafrikas. Gestützt auf die »Association Internationale du Congo« (gegründet 1879), schuf sich der belgische König Leopold II. als Privatmann mit Zustimmung der europäischen Großmächte (Kongokonferenz, 1884-1885) den »Unabhängigen Kongostaat« (»Kongoakte«). In zum Teil langwierigen Kämpfen eroberten Truppen Leopolds II. das ihm zugesprochene Gebiet, zerstörten dabei die um 1870 durch den Sklavenhandel entstandenen Reiche des Msiri (* um 1820, ✝ 1891) sowie des Tippu Tip (* um 1837, ✝ 1905) und schlugen bis 1900 mehrere Aufstände nieder. Harte Kritik in Europa, besonders in Großbritannien, an dem Herrschafts- und Ausbeutungssystem Leopolds II. veranlasste 1908 das belgische Parlament, dem belgischen Staat die Herrschaft über den Kongostaat (seitdem Belgisch-Kongo) zu übertragen. Zwischen den beiden Weltkriegen nahm die Kolonie einen wirtschaftlichen Aufschwung.
 
Erst nach Unruhen 1959 leitete Belgien politische Reformen ein und entließ die Kolonie unter dem Namen »République Démocratique du Congo« (Demokratische Republik Kongo; im Unterschied zu Kongo-Brazzaville, der heutigen Republik Kongo, inoffiziell Kongo-Léopoldville, ab 1966 Kongo-Kinshasa genannt) überstürzt am 30. 6. 1960 mit einer bundesstaatlichen Verfassung in die Unabhängigkeit. Um einer Meuterei des Militärs und einer Abspaltung der Region Katanga unter M. Tshombé zu begegnen, rief die Regierung die UNO zu Hilfe. Der am 15. 7. 1960 begonnene, von den USA unterstützte, weitgehend von blockfreien Staaten Afrikas und Asiens getragene, von der UdSSR und Frankreich kritisierte Einsatz von UN-Truppen (etwa 20 000 Mann) dauerte bis zum 30. 6. 1964. Als im September 1960 die Regierung im Streit zwischen Präsident J. Kasavubu und Premierminister P. Lumumba zerbrach, verhielt sich die UNO neutral. Lumumba wurde verhaftet, am 17. 1. 1961 nach Katanga ausgeliefert und dort ermordet. Bei Vermittlungsversuchen zwischen der Zentralregierung, ab August 1961 unter Premierminister Cyrille Adoula (* 1921, ✝ 1978), und Tshombé erlitt UN-Generalsekretär D. Hammarskjöld am 18. 9. 1961 einen tödlichen Unfall. Erst im Januar 1963 beendete die UNO gewaltsam die Sezession Katangas.
 
Im Juli 1964 wurde Tshombé Premierminister der Zentralregierung, jedoch am 23. 11. 1965 durch einen Putsch des Armeechefs Mobutu Sese-Seko gestürzt. Dieser regierte diktatorisch, gestützt auf die Einheitspartei Mouvement Populaire de la Révolution (MPR), verstaatlichte den Bergbau im Rahmen einer kapitalistisch bestimmten Wirtschaftspolitik, suchte sein Regierungssystem durch Rückgriff auf angebliche afrikanische »Authentizität« zu stabilisieren und geriet dabei (z. B. wegen Ablegung christlicher Taufnamen) in Konflikt mit der katholischen Kirche. 1971 erhielten Staat und Strom den Namen »Zaire«. Aufstände in Katanga (in Shaba umbenannt) schlug Mobutu Sese-Seko 1978/79 mit belgisch-französischer Militärhilfe nieder. Er schloss das Land den eng mit Frankreich zusammenarbeitenden afrikanischen Staaten an und pflegte gute Beziehungen zu den USA.
 
Die mit der Herrschaft Mobutu Sese-Sekos einhergehende Korruption zerstörte zunehmend die Wirtschaft des Landes. Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes drosselten Weltbank sowie IWF und westliche Regierung ihre Zusammenarbeit. Mobutu Sese-Seko sah sich am 24. 4. 1990 gezwungen, demokratische Reformen anzukündigen. Er verstand es jedoch, die einberufene Nationalkonferenz zu lähmen. Ein stabiles Mehrparteiensystem kam vorerst nicht zustande. Zum Premierminister berief Mobutu Sese-Seko im November 1991 den ehemaligen Außenminister Nguza Karl-I-Bond (* 1938). Im August 1992 duldete Mobutu Sese-Seko, dass die Nationalkonferenz Étienne Tshisékédi wa Mulumba (* 1932) von der oppositionellen »Union für Demokratie und sozialen Fortschritt« (Union pour la Démocratie et le Progrès Social, Abkürzung UDPS) zum Premierminister wählte. Der Konflikt zwischen Staatspräsidenten und Ministerpräsidenten um die Macht führte dazu, dass es mit der Einsetzung einer von der Opposition nicht anerkannten Regierung durch den Staatspräsidenten seit März 1993 zwei Regierungen und zwei Parlamente gab. Im Januar 1994 wurden die beiden Parlamente zum »Hohen Rat der Republik« vereinigt. Zum neuen, auch von den westlichen Geberländern unterstützten und von Präsident Mobutu Sese-Seko anerkannten Regierungschef wählte der Rat im Juni 1994 Joseph Kengo wa Dondo (* 1935), der wirtschaftliche Reformen einleitete. Mitte 1995 verlängerte der Rat im Einvernehmen mit dem Staatspräsidenten die seit 1990 andauernde Übergangsperiode um weitere zwei Jahre; Wahlen waren nun für Juli 1997 vorgesehen. Verschärft wurde die politische Situation durch ethnische Konflikte (v. a. in Shaba und Kivu), Korruption und Übergriffe der Sicherheitskräfte sowie durch wirtschaftlichen Verfall. Am 6. 10. 1996 billigte das Übergangsparlament eine provisorische Verfassung, über die in einem Referendum abgestimmt werden sollte.
 
Zu schweren Unruhen kam es Anfang Oktober 1996 im Osten in der Provinz Südkivu, nachdem den seit Generationen in dieser Region lebenden rd. 300 000 Banyamulenge-Tutsi befohlen wurde, das Land umgehend zu verlassen. Infolge der Kämpfe zwischen Tutsi-Einheiten und Regierungstruppen flohen zunächst etwa 250 000 der insgesamt rd. 1,5 Mio. Hutu, die 1994 aus Ruanda vertrieben worden waren, aus ihren Flüchtlingslagern, da sie nun zum Angriffsziel der Tutsi wurden. Am 8. 10. 1996 kam es unter Führung von L. Kabila zur Bildung der von den Tutsi dominierten »Allianz demokratischer Kräfte zur Befreiung des Kongo-Zaire« (Alliances des Forces Démocratiques pour la Libération du peuple Congo-Zaire; Abkürzung AFDL), einer Vereinigung der »Partei der Volksrevolution« Kabilas, der »Revolutionären Bewegung für die Befreiung Zaires« unter Masasu Nindanga, des »Nationalrats für Widerstand und Demokratie« unter André Kisase Ngandu sowie der »Demokratischen Volksallianz« der Banyamulenge-Tutsi. Die Truppen der AFDL, hauptsächlich unterstützt von Uganda sowie den USA, eroberten zunächst den Osten des Landes und drangen danach zügig ins Landesinnere vor. Infolge der Kämpfe waren schätzungsweise über 1 Mio. Menschen (vorwiegend Hutu) auf der Flucht nach Ruanda; dabei starben Tausende. Im März 1997 nahmen die AFDL-Truppen Kisangani, im April Lubumbashi ein. Nachdem das Übergangsparlament im März 1997 Premierminister Kengo wa Dondo seines Amtes enthoben hatte, wurde am 9. 4. 1997 der wenige Tage zuvor zu seinem Nachfolger ernannte Oppositionspolitiker Tshisékédi wa Mulumba durch Mobutu Sese-Seko, der sich u. a. wegen der Behandlung eines Krebsleidens wiederholt für längere Zeit im Ausland aufgehalten hatte, abgesetzt und durch General Likulia Bolongo ersetzt. Unter Vermittlung des damaligen südafrikanischen Präsidenten Mandela sowie seines Stellvertreters Mbeki trafen sich im April/Mai 1997 Vertreter der Regierung und der Rebellen (u. a. auf dem südafrikanischen Kriegsschiff »Outeniqua«) zu Friedensgesprächen, die jedoch scheiterten. Nach einem Ultimatum Kabilas sowie dem Vorrücken seiner Einheiten auf die Hauptstadt Kinshasa verzichtete Mobutu Sese-Seko am 16. 5. 1997 auf seine Machtbefugnisse (jedoch nicht auf das Präsidentenamt) und verließ das Land. Am 17. 5. 1997 wurde Kinshasa eingenommen; Kabila erklärte sich zum Präsidenten, nannte Zaire in Demokratische Republik Kongo um und setzte die provisorische Verfassung außer Kraft. Der am 29. 5. 1997 als Präsident vereidigte und mit weit reichenden Machtbefugnissen nach dem Vorbild des US-amerikanischen Präsidialsystems ausgestattete Kabila bildete nach dem Zusammenbruch der staatlichen Ordnung infolge des siebenmonatigen Bürgerkrieges eine von seinen Anhängern dominierte Übergangsregierung und kündigte die Einberufung einer Verfassungsgebenden Versammlung, die Einhaltung der Menschenrechte, die Anerkennung aller bilateralen und multilateralen Verträge sowie Präsidentschafts- und Parlamentswahlen nach einer zweijährigen Übergangszeit für 1999 an. Trotz des Verbotes von Demonstrationen und politischen Aktivitäten kam es wiederholt zu Protesten gegen die neuen Machthaber.
 
Im August 1998 begann eine von Ruanda und Uganda unterstützte Rebellion gegen Kabila, die sich zu einem landesweiten Bürgerkrieg ausweitete und in deren Verlauf v. a. Angola, Simbabwe und Namibia zugunsten der Regierungs-truppen Kabilas militärisch intervenierten. 1999 unterzeichneten die Demokratische Republik Kongo, Angola, Namibia und Simbabwe einen regionalen Verteidigungspakt. Die zum Teil stark zersplitterten Rebellenbewegungen, so u. a. die in zwei konkurrierende Flügel gespaltene und zum Teil gegeneinander kämpfende »Kongolesische Versammlung für Demokratie« (Rassemblement Congolais pour la Démocratie; Abkürzung RCD) unter Führung von Adolphe Anosomba beziehungsweise Ernest Wamba dia Wamba, die »Bewegung für die Befreiung des Kongo« (Mouvement pour la Libération du Congo; Abkürzung MLC) unter Führung von Jean-Pierre Bemba sowie zahlreiche ethnisch geprägte Einheiten, eroberten im Verlauf der Kämpfe weite Teile des Landes, besonders im Norden und Osten.
 
Ein im Juli/August 1999 in der sambischen Hauptstadt Lusaka von den Regierungen der am Konflikt beteiligten Staaten und dem MLC unterzeichnetes Friedensabkommen, das u. a. den Rückzug der ausländischen Truppen sowie den staatlichen Aufbau des Landes vorsah, wurde nicht umgesetzt. Auch eine Waffenstillstandsvereinbarung vom Mai /Juni 2000 sowie die Entsendung einer Beobachtermission der Vereinten Nationen führten nur zu einem teilweisen Ende der Kampfhandlungen. Am 21. 8. 2000 nahm ein von Kabila eingesetztes Übergangsparlament seine Arbeit auf, dessen Konstituierung jedoch von den Vereinten Nationen und den Rebellenbewegungen kritisiert wurde. Nach einem tödlichen Attentat auf L. Kabila am 16. 1. 2001 in Kinshasa übernahm sein Sohn Joseph Kabila (* 1970) am 26. 1. 2001 das Präsidentenamt. Die im März/April 2002 im südafrikanischen Sun City geführten Friedensgespäche scheiterten und konnten den Bürgerkrieg, der seit seinem Ausbruch 1996 schätzungsweise 2,5 Mio. Menschenleben forderte, nicht beenden. Unter südafrikanischer Vermittlung schlossen schließlich die Präsidenten von Kongo und Ruanda im Juli 2002 einen Friedensvertrag, der u. a. den Rückzug der ruandischen Streitkräfte aus Kongo sowie die Entwaffnung der Hutu-Milizen, die von Kongo aus in Ruanda militärisch operieren, vorsieht.
 
 
J. S. Reeves: The international beginnings of the Congo Free State (Baltimore, Md., 1894, Nachdr. New York 1973);
 J.-C. Willame: Patrimonialism and political change in the Congo (Stanford, Calif., 1972);
 M. D. Markowitz: Cross and Sword. The political role of christian missions in the Belgian Congo 1908-1960 (ebd. 1973);
 R. Cornevin: Le Zaire (Paris 21977);
 R. Cornevin: Histoire du Zaïre(Brüssel 41989);
 G. Abi-Saab: The U. N. Operation in the Congo (Oxford 1978);
 T. N Kanza: Conflict in the Congo. The rise and fall of Lumumba (Harmondsworth 1979);
 D. J. Gould: Bureaucratic corruption and underdevelopment in the Third World. The case of Zaire (New York 1980);
 B. Wiese: Zaire. Landesnatur, Bev., Wirtschaft (1980);
 R. W. Harms: River of wealth, river of sorrow. The Central Zaire Basin in the era of the slave and ivory trade, 1500-1891 (New Haven, Conn., 1981);
 T. O. Reefe: The rainbow and the kings. A history of the Luba Empire to 1891 (Berkeley, Calif., 1981);
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 M. Schümer: Zaire u. der Westen (1984);
 C. Young u. T. Turner: The rise and decline of the Zairian state (Madison, Wis., 1985);
 P. Körner: Zaire. Verschuldungskrise u. IWF-Intervention in einer afrikan. Kleptokratie (1988);
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 B. Kuhn: Mehrparteiensystem u. Opposition in Zaire. Polit. Pluralismus in einer afrikan. Diktatur (1992);
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 W. J. Leslie: Zaire. Continuity and political change in an oppressive state (Boulder, Colo., 1993);
 S. Descalo u. a.: Historical dictionary of Congo (Neuausg. Lanham 1996).
 
III
Kọngo,
 
 
 
Fläche: 342 000 km2
 
Einwohner: (2000) 2,8 Mio.
 
Hauptstadt: Brazzaville
 
Amtssprache: Französisch
 
 
Währung: 1 CFA-Franc = 100 Centimes (c)
 
 
amtlich französisch République du Congo [repy'blik dykɔ̃'go], deutsch Republik Kongo, häufig verwendete Kurzbezeichnung Kongo (Brazzaville), Staat in Zentralafrika, grenzt im Norden an Kamerun und die Zentralafrikanische Republik, im Osten und Süden an die Demokratische Republik Kongo sowie die angolanische Exklave Cabinda, im Südwesten an den Atlantischen Ozean und im Westen an Gabun, mit 342 000 km2 knapp so groß wie Deutschland, (2000) 2,8 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Brazzaville; Amtssprache: Französisch; Verkehrssprachen sind Lingala und Monokutuba. Währung: 1 CFA-Franc = 100 Centimes (c). Zeitzone: MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Die am 20. 1. 2002 durch Referendum gebilligte Verfassung bestimmt Kongo als demokratische Republik mit Mehrparteiensystem. Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der mit umfassenden Vollmachten ausgestattete Präsident (Amtszeit sieben Jahre; einmalige Wiederwahl möglich). Träger der Legislative ist ein Zweikammerparlament, bestehend aus der Nationalversammlung (Assemblée Nationale; 137 Abgeordnete) und dem Senat (66 Sitze).
 
Parteien:
 
Einflussreichste Parteien sind: Union Panafricain pour la Démocratie Sociale (UPADS), Mouvement Congolais pour la Démocratie et le Développement Intégral (MCDDI), Parti Congolais du Travail (PCT), Rassemblement pour la Démocratie et le Développement (RDD) und Rassemblement Démocratique pour le Progrès Social (RDPS).
 
 
Die Bildung freier Gewerkschaften ist seit Juni 1991 möglich; größte Dachverbände sind die Confédération Syndicale Congolaise (CSC; gegründet 1991) und die Confédération Syndicale des Travailleurs Congolais (CSTC; gegründet 1993).
 
Nationalfeiertage:
 
15. 8., erinnert an die Erlangung der vollen Unabhängigkeit 1960.
 
 
Kongo ist in zehn Regionen und sechs eigenständig verwaltete Stadtbezirke gegliedert.
 
 
Das auf französisch-kolonialen und traditionellen Quellen beruhende Recht wurde nach der Unabhängigkeit 1960 durch sozialistische Rechtsgedanken sowie durch Modernisierungen geändert, in verschiedenen Bereichen auch neu kodifiziert (Arbeitsgesetzbuch 1975, Familiengesetzbuch 1984). Weitere Änderungen erfolgen seit der Abkehr vom Sozialismus nach der Verfassungsänderung 1992 (z. B. im Eigentumsrecht). Das Handels- und Gesellschaftsrecht soll zwischen den französischsprachigen Ländern Afrikas harmonisiert werden. - Das Gerichtssystem umfasst in Zivil- und Strafsachen für kleine Fälle »einfache«, für alle anderen Fälle »große« Gerichte erster Instanz, außerdem Handelsgerichte, darüber gemeinsame Berufungsgerichte sowie den Obersten Gerichtshof in Brazzaville.
 
 
Die Gesamtstärke der Freiwilligenarmee beträgt rd. 11 000, die der paramilitärischen Kräfte (v. a. Volksmiliz) rd. 6 000 Mann. Das Heer (10 000 Soldaten) ist gegliedert in je zwei Infanterie- und Panzerbataillone, je ein Pionier- und Fallschirmjägerbataillon sowie ein Bataillon Kommandotruppen. Luftwaffe und Marine verfügen über je 500 Mann. Die Ausrüstung besteht im Wesentlichen aus etwa 50 Kampfpanzern (T-54/-55, T-62, chinesische T-59), 25 Kampfflugzeugen (v. a. MiG-17 und MiG-21) sowie aus sechs Kleinen Kampfschiffen.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Kongo erstreckt sich beiderseits des Äquators nördlich und westlich der Grenzflüsse Kongo und Ubangi im Bereich des Kongobeckens und seiner Randschwellen. Flach lagernde Schichten der ausgedehnten Beckenlandschaft und die stark abgetragenen Schwellengebiete bestimmen die Oberflächenformen; es überwiegen weite Flächen und Hügelländer. Die höchsten Erhebungen liegen im Gebiet der Niederguineaschwelle (im Westen des Landes) im Bergland Mayombe (930 m über dem Meeresspiegel), dem im Südwesten ein flaches Küstenland am Atlantischen Ozean (Ausdehnung 40 km) vorgelagert ist. Im Nordosten des Landes, im Becken des unteren Ubangi und Sanga, treten ausgedehnte Sümpfe auf.
 
 
Kongo hat äquatoriales Regenklima mit zwei Regenzeiten (Januar-Mai und Oktober bis Mitte Dezember); die jährlichen Niederschläge betragen im Kongobecken 1 800-1 900 mm, im Bereich der Niederguineaschwelle 1 400-1 600 mm, an der Küste und im Regenschatten des Mayombe 1 250 mm. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen um 20 ºC (Niederguineaschwelle im Juli) und 26 ºC (Küste im Januar) mit tageszeitlichen Schwankungen von etwa 10 Grad. Die Luftfeuchtigkeit ist im Kongobecken besonders hoch.
 
 
Der gesamte Norden und weite Teile der Niederguineaschwelle sind mit tropischem Regenwald bestanden, der an den Flanken der Niederguineaschwelle in Feuchtwald übergeht. An der Küste ist Mangrove verbreitet, an die sich Feuchtsavanne anschließt.
 
 
Die Bevölkerung, fast ausschließlich Bantu, gehört zu 51,5 % zum Volk der Kongo, zu 17,3 % zum Volk der Teke, das im Gebiet des Stanley Pool lebt, ferner 11,5 % Mboshi u. a. In den Wald- und Sumpfgebieten des NO leben kleinere Gruppen von Pygmäen (nur noch 1,5 % der Bevölkerung). Weite Teile im Norden und Nordosten sind menschenleer. Das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum beträgt (1985-94) 3 %, der Anteil der städtischen Bevölkerung (1994) 58 %. In den vier größten Städten im Süden, die auch die vier Stadtbezirke bilden, lebt über die Hälfte der Bevölkerung: Brazzaville mit 937 600 Einwohner, Pointe-Noire 576 200 Einwohner, Loubomo 83 600 Einwohner und Nkayi 42 500 Einwohner. Um Brazzaville werden v. a. die Verkehrssprachen Lingala und Monokutuba gesprochen.
 
 
Die Verfassung garantiert die Religionsfreiheit. Alle Religionsgemeinschaften sind rechtlich gleichgestellt. 1992 wurden alle Verbote aufgehoben, die 1978 - trotz der auch in der »Volksrepublik Kongo« verfassungsmäßig garantierten Religionsfreiheit - über einzelne Kirchen und Religionsgemeinschaften verhängt worden waren (Adventisten, Zeugen Jehovas u. a.); ebenso die staatlich-administrativen Behinderungen, denen die Arbeit der Kirchen und Missionsgesellschaften ausgesetzt war. - Etwa 83 % der Bevölkerung sind Christen: rd. 45 % gehören der katholischen Kirche an (Erzbistum Brazzaville mit fünf Suffraganbistümern), rd. 25 % protestantischen Kirchen und Gemeinschaften (u. a. Heilsarmee, Baptisten), rd. 13 % unabhängigen Kirchen. Größte protestantische Kirche ist die »Evangelische Kirche des Kongo« [»Eglise Evangélique du Congo«], größte unabhängige Kirche die »Kimbanguistische Kirche«, die von Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) aus auch Eingang in Kongo fand. Über 10 % der Bevölkerung (v. a. im Zentrum und im Norden) gehören traditionellen afrikanischen Religionen an. - Muslime und Bahais bilden kleine religiöse Minderheiten.
 
 
Die zehnjährige Schulpflicht (bei Schulgeldfreiheit) wird im Allgemeinen erfüllt; in weiterführenden Schulen sind Mädchen unterrepräsentiert. Es bestehen Primarschulen (Schulzeit sechs Jahre) und Sekundarschulen (Schulzeit sieben Jahre), Letztere bieten einen mittleren Abschluss nach vier Jahren. Die Analphabetenquote beträgt 23,1 %. Die Universität in Brazzaville entstand 1972 aus einer 1961 gegründeten Lehrerbildungsanstalt.
 
 
Mit der neuen Verfassung von 1992 wurde die seit 1972 bestehende Zensur der Medien aufgehoben und Pressefreiheit garantiert. Wichtigste Printmedien sind »L'Éveil de Pointe-Noire«, »Aujourd'hui«, »Mweti«, »Le Soleil«, »Le Pays« und »La Semaine Africaine«. Die Nachrichtenagentur »Agence Congolaise d'Information« (ACI) gibt das tägliche Nachrichtenblatt »ACI« heraus. Die staatliche »Radiodiffusion-Télévision Congolaise« betreibt den Hörfunk- und Fernsehsender. Die Programme von »Radio Congo« werden in Französisch, Englisch, Portugiesisch sowie in verschiedenen Landessprachen ausgestrahlt; die englischsprachigen Sendungen können auch in Namibia empfangen werden. Der Fernsehsender »Télévision Nationale Congolaise« (TNC) sendet stundenweise und überwiegend in französischer Sprache.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Gemessen am Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1994) 640 US-$ gehört Kongo zu den afrikanischen Ländern mit mittlerem Einkommen. Dominierender Wirtschaftszweig ist die Erdölwirtschaft mit einem Beitrag von 50 % zu den Staatseinkünften. Bei einer Auslandsverschuldung von (1993) 5,1 Mrd. US-$ müssen 11 % der Exporteinnahmen für den Schuldendienst aufgewendet werden.
 
 
Der Beitrag des Agrarsektors zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist mit (1994) 10 % nur gering, obwohl 59 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig sind. Rd. 30 % der Landesfläche sind landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 169 000 ha Ackerland und 10 Mio. ha Wiesen und Weiden. Als wichtigste Grundnahrungsmittel werden Maniok, Mais, Erdnüsse und Jamswurzel angebaut, für den Export in geringen Mengen Kaffee, Kakao und Zuckerrohr. Mehr als 90 % der Anbaufläche bewirtschaften Kleinbauern. Aufgrund niedriger Bodenfruchtbarkeit und mangelnder Verkehrserschließung der ländlichen Räume ist Kongo in erheblichem Maße auf die Einfuhr von Agrarprodukten angewiesen. Auch die Viehwirtschaft hat wegen Mangel an fruchtbaren Weidegebieten und der Verbreitung der Tsetsefliege keine große Bedeutung.
 
 
Kongo verfügt über große Waldbestände; 1992 wurden 21,2 Mio. ha als Wald ausgewiesen (62 % der Landesfläche). Die küstennahen Bestände an Edelhölzern (Okoumé- und Limbaholz) sind bereits weitgehend erschöpft. Da heute die Zentren der Forstwirtschaft im verkehrstechnisch kaum erschlossenen Norden des Landes liegen, wurde Raubbau zumeist vermieden. 1991 betrug der Holzeinschlag insgesamt 302 200 m3, fast ausschließlich für den Export.
 
 
Die Seefischerei hat keine große Bedeutung. Von den 1991 insgesamt gefangenen 45 600 t Fisch entfielen 60 % auf Süßwasserfische.
 
 
Seit Mitte der 70er-Jahre ist die Erdölwirtschaft der dominierende Wirtschaftszweig. Bereits 1957 wurden nahe Pointe-Noire die ersten Erdölvorkommen entdeckt, seit 1968 nahm die Förderung im Schelfgebiet einen deutlichen Aufschwung. Die nachgewiesenen Reserven betragen 140 Mio. t. Die Jahresproduktion an Rohöl wurde von 1979-91 von 2,6 Mio. t auf 8,1 Mio. t gesteigert. Weitere Bodenschätze sind u. a. Kalisalze, Blei-, Zink-, Kupfer-, Eisen- und Manganerze, Gold, Phosphat und Bauxit. Ihre Erschließung ist derzeit nur in wenigen Fällen rentabel.
 
 
Neben der Erdölverarbeitung in Pointe-Noire (Erdölraffinerie) sind Nahrungsmittelindustrie und Holzverarbeitung die wichtigsten Zweige. Die größten Industriebetriebe konzentrieren sich auf Brazzaville, Pointe-Noire und Nkayi.
 
 
Trotz des günstigen Klimas, schöner Sandstrände und Lagunen sowie der Savannen und tropischen Regenwälder ist der Tourismus nur wenig entwickelt und die Anzahl ausländischer Besucher gering (1990: 46 000).
 
 
Seit 1979 erzielt Kongo aufgrund der Expansion der Erdölförderung durchweg hohe Exportüberschüsse (1993: Einfuhr 670 Mio. US-$; Ausfuhr 1,3 Mrd. US-$). 1993 entfielen 83 % der Ausfuhren auf Rohöl. Daneben werden v. a. bearbeitete Waren und forstwirtschaftliche Produkte exportiert. Die wichtigsten Handelspartner sind Frankreich, die USA, Belgien und Italien.
 
Verkehr:
 
Das Verkehrsnetz ist auf die südliche Landesteile konzentriert. Die dichten Tropenwälder und unwegsamen Sumpfgebiete im Norden sind kaum erschlossen. Hier ist die Flussschifffahrt wichtigster und häufig einziger Verkehrsträger. Von dem Eisenbahnnetz mit insgesamt 1 152 km ist die wichtigste Strecke die 510 km lange O-West-Verbindung von Brazzaville nach Pointe-Noire. Die bedeutendste Straßenverbindung des 12 745 km langen Straßennetzes verläuft parallel zu dieser Bahnlinie. Große Bedeutung hat auch die Süd-N-Achse von Brazzaville über Owando nach Ouesso an der Grenze zu Kamerun. Das recht dichte Flussnetz (Kongo, Ubangi und die Nebenflüsse) begünstigt die Binnenschifffahrt. Die Hauptachse des Binnenwasserstraßennetzes mit einer Länge von 5 000 km ist mit 2 115 km die Verbindung von Brazzaville nach Bangui (Zentralafrikanische Republik). Der Holztransport aus dem Norden erfolgt bis Brazzaville, dem wichtigsten Binnenhafen, ausschließlich per Frachtkahn; von dort weiter per Eisenbahn bis Pointe-Noire, dem einzigen Überseehafen des Landes. Einen internationalen Flughafen haben Brazzaville und Pointe-Noire.
 
 
Seit ältester Zeit besiedelt, entstanden im 14. Jahrhundert die ersten Staaten (Loango, Kongo, Teke). Deren weitere Entfaltung wurde durch die Landung der Portugiesen 1482 und dem damit einsetzenden Sklavenhandel unterbrochen. Der französische Afrikaforscher P. Savorgnan de Brazza, der 1875-78 von Lambarene aus den Oberlauf des Ogowe erforschte und zum Kongo durchzudringen versuchte, erreichte im Wettlauf mit dem im Dienste Leopolds II. von Belgien stehenden Sir H. M. Stanley im September 1880 das Reich der Teke und schloss mit deren Makoko (König) in der Gegend des heutigen Brazzaville einen Protektoratsvertrag. Gegen den Widerstand Leopolds II. war damit die Souveränität Frankreichs am Kongo proklamiert. 1884/85 wurden die französischen Ansprüche auf das inzwischen vergrößerte Territorium in der Kongokonferenz bestätigt. Das Gebiet, seit 1891 selbstständige Kolonie, erhielt 1903 die Bezeichnungen Moyen-Congo (Mittelkongo) und wurde 1910 zusammen mit Gabun, Ubangi-Schari (heute Zentralafrikanische Republik) sowie Tschad Teil der Kolonialföderation Französisch-Äquatorialafrika. 1911 trat Frankreich Gebietsteile an das Deutsche Reich ab, die aber 1916 wieder französisch wurden. Ab 1926 breitete sich eine politisch-religiöse Protestbewegung aus, deren »Heiland« der frühere katholische Katechet André Matswa (* 1889, ✝ 1942) war. Im Zweiten Weltkrieg schloss sich die Kolonialbehörde schon am 28. 8. 1940 C. de Gaulle an, der bis 1943 in Brazzaville residierte und dort vom 30. 1. bis 8. 2. 1944 eine Reformkonferenz der französischen Kolonialgouverneure leitete. Ab 1946 wurde Kongo als Überseeterritorium verwaltet. Als politischer Führer der Unabhängigkeitsbewegung setzte sich Fulbert Youlou (* 1917, ✝ 1972) durch, ein Angehöriger des Volkes der Kongo. 1958 wurde Kongo zur autonomen Republik innerhalb der Französischen Gemeinschaft und erlangte am 15. 8. 1960 die Unabhängigkeit (Kongo [Brazzaville]); Präsident wurde Youlou.
 
Am 15. 8. 1963 stürzte die Bevölkerung der Hauptstadt Brazzaville mit Unterstützung der Armee den brutal herrschenden Präsidenten Youlou. Unter seinem Nachfolger A. Massemba-Débat konstituierte sich 1964 die Einheitspartei »Mouvement National de la Révolution« (MNR), die sich die Schaffung einer sozialistischen Gesellschaft zum Ziel setzte. Am 2. 8. 1968 stürzten linksradikale Offiziere unter Führung von M. Ngouabi Präsident Massemba-Débat. Unter dem Vorsitz Ngouabis übernahm ein Nationaler Revolutionsrat die Macht. Ngouabi, seit dem 1. 1. 1969 Staatspräsident, verkündete 1969 ein marxistisch-leninistisches Programm, proklamierte die »Volksrepublik Kongo« und die Einheitspartei »Parti Congolais du Travail« (PCT). Rivalitäten innerhalb der Führungsschicht des Landes führten im März 1977 zu einem Putschversuch, dem Ngouabi zum Opfer fiel. Im Zuge innenpolitischer Kämpfe setzte sich im Februar 1979 Oberst D. Sassou-Nguesso (* 1943) als Staats- und Parteichef durch. Trotz der sozialistischen Programmatik seiner wechselnden Präsidenten blieb Kongo jedoch wirtschaftlich stark von den westlichen Industriestaaten, besonders von Frankreich, abhängig. Die Einheitspartei PCT sagte sich im Dezember 1990 vom Marxismus-Leninismus los, stimmte der Bildung eines Mehrparteiensystems zu und gab damit ihr Machtmonopol auf. Im Juni 1991 beschloss die Nationalversammlung einen staatlichen Umbau und die Durchführung demokratischer Reformen. Nach Verabschiedung der neuen Verfassung von 1992 wurde der Staatsname in »Republik Kongo« geändert. Bei den ersten freien Präsidentschaftswahlen am 16. 8. 1992 siegte P. Lissouba (UPADS). Der Sieg der den Präsidenten unterstützenden Parteien in der Parlamentswahl vom Mai/Juni 1993 führte zu blutigen Unruhen; bei einer Wiederholung des zweiten Wahlgangs im Oktober 1993 unter internationaler Aufsicht verteidigte die Regierung ihre Mehrheit im Parlament. Beigelegt wurde der Konflikt jedoch erst im August 1994 mit der Unterzeichnung eines Versöhnungsabkommens (u. a. Integration gegnerischer Milizen in die Armee), dem im Januar 1995 die Aufnahme von Oppositionspolitikern in die Regierung folgte. Anhaltende wirtschaftliche und soziale Probleme, die geplante Privatisierung der Wirtschaft und eine strenge Sparpolitik führten jedoch mehrfach zu Unruhen. Nachdem die Regierung versucht hatte, im Vorfeld der geplanten Präsidentschaftswahlen die Privatarmeen einflussreicher Politiker aufzulösen, begann im Juni 1997 ein blutiger Bürgerkrieg, in dem sich die Milizen des ehemaligen Staatspräsidenten Sassou-Nguesso, der von Frankreich und Angola unterstützt wurde, gegen die des amtierenden Staatschefs Lissouba, der von den USA unterstützt wurde, durchsetzten. Hintergrund der Kämpfe waren jedoch v. a. Auseinandersetzungen um die Erträge aus der Erdölwirtschaft. Sassou-Nguesso erklärte sich am 25. 10. 1997 erneut zum Staatschef und bildete eine Übergangsreg.; 1998 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften der neuen Regierung sowie Milizen Lissoubas. Am 5. 1. 2000 wurde schließlich zwischen der Regierung und dem Nationalen Widerstandsrat, einer Vereinigung der zahlreichen Milizen, ein Friedensabkommen unterzeichnet. Die nach Einführung der neuen Verfassung im Januar 2002 durchgeführten Präsidentschaftswahlen bestätigten Sassou-Nguesso im Amt.
 
 
P. Vennetier: Géographie du Congo-Brazzaville (Paris 1966);
 S. Amin u. C. Coquery-Vidrovitch: Histoire économique du Congo, 1880-1968 (ebd. 1969);
 H. Bertrand: Le Congo. Formation sociale et mode de développement économique (ebd. 1975);
 E. W. Schamp: Industrialisierung in Äquatorialafrika (1978);
 M. Soret: Histoire du Congo (Paris 1978);
 A. Wirz: Krieg in Afrika. Die nachkolonialen Konflikte in Nigeria, Sudan, Tschad u. K. (1982);
 V. Thompson u. R. Adloff: Historical dictionary of the People's Republic of the Congo (Metuchen, N. J., 21984);
 J.-C. Klotchkoff: Le Congo aujourd'hui (Paris 1988).
 
IV
Kọngo
 
der, Zaire [za'irə, französisch za'iːr], zweitlängster und wasserreichster Strom Afrikas, 4 374 km lang, entspringt im Süden der Provinz Shaba (im Mitumbagebirge) und durchfließt Kongo (Kinshasa), ist ab der Mündung des Ubangi bis in das erste Drittel der Livingstonefälle Grenzfluss zwischen Kongo (Kinshasa) und Kongo (Brazzaville) und nach einem Abschnitt auf dem Staatsgebiet von Kongo (Kinshasa) ab Matadi bis zur Mündung in den Atlantik Grenzfluss zwischen Kongo (Kinshasa) und Angola.
 
Der Fluss heißt ab der Quelle zunächst Lualaba. Beim Durchfließen der Lunda- und der Zentralafrikanischen Schwelle bildet der Lualaba zahlreiche Stromschnellen, so zwischen Kolwezi und Bukama, unterhalb von Kongolo, bei Ubundu und als letzte die Stanleyfälle (Boyomafälle; in sieben Einzelfällen verliert der Lualaba auf 100 km 60 m an Höhe; von der Bahnlinie Ubundu-Kisangani umgangen).
 
Unterhalb der Stanleyfälle ist der Kongo dann bis Kinshasa ein Flachlandfluss (bis 14 km breit; zahlreiche Inseln). Vor seinem Durchbruch durch die Niederguineaschwelle staut sich der Fluss zum Stanley Pool - in Kongo (Kinshasa) Malebo Pool genannt; der größere Nordwestteil liegt in Kongo (Brazzaville) -, eine seeartige Verbreiterung von etwa 30 km Länge und 21 km Breite (rd. 450 km2, bis 16 m tief); die 180 km2 große, sumpfige Insel Mbamou in der Mitte dient als Viehweide; an seinen Ufern liegen die Hauptstädte Brazzaville und Kinshasa. Beim Durchbruch durch die Niederguineaschwelle bildet der Kongo in Kongo (Kinshasa) mit 32 Katarakten die Livingstonefälle (Ingafälle, größter Einzelfall 40 m; von der Bahnlinie Kinshasa-Matadi umgangen). Unterhalb von Matadi öffnet sich das Tal zu einem breiten, von Mangroven gesäumten Mündungstrichter, der sich als tiefe Rinne (bis 1 700 m unter dem Meeresspiegel) in den Schelf fortsetzt.
 
Das Einzugsgebiet des Kongo umfasst 3,69 Mio. km2. Die Wasserführung beträgt bei Kinshasa im Dezember 61 000 m3/s, im August 33 000 m3/s; ein zweites Maximum tritt im April auf (45 000 m3/s), wenn die zweite Regenzeit im Süden hier spürbar wird; die Trockenzeit nördlich des Äquators bewirkt ein Zwischenminimum im März, da zu dieser Zeit der Ubangi relativ wenig Wasser heranführt. - Kraftwerke bestehen am oberen Lualaba (120 MW; der 70 m hohe Zilodamm staut den Lac Delcommune auf) und an den Livingstonefällen bei Inga.
 
Schiffbar ist der Kongo zwischen Bukama und Kongolo, zwischen Kindu und Ubundu, zwischen Kisangani und Kinshasa und unterhalb von Matadi; die nichtschiffbaren Stromabschnitte werden durch Bahnlinien umgangen. Mit seinen Nebenflüssen (u. a. von rechts: Lukuga, Aruwimi, Ubangi, Sanga; von links: Lomami, Busira, Kasai) bildet er rd. 13 000 km Wasserstraßen.
 
 
J. P. Breitengross: Saisonales Fließverhalten in großflächigen Flußsystemen. Methoden zur Erfassung u. Darst. am Beispiel des K. (1972).
 

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1Kọn|go, der; -[s]: Fluss in Mittelafrika.
————————
2Kọn|go; -s, (auch:) der; -[s]: Name zweier Staaten in Mittelafrika: Republik Kongo; Demokratische Republik Kongo; die Bevölkerung des K./des -s.

Universal-Lexikon. 2012.

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